Fouls, Flaggen und Raumstrafen einfach erklärt
Gelbe Flagge auf dem Feld – und plötzlich scheint niemand mehr zu wissen, was eigentlich passiert. Holding? Offside? False Start? Pass Interference? Personal Foul? Gerade für Einsteiger gehören Strafen zu den kompliziertesten Bereichen des American Football. Entscheidend ist, wann ein Foul passiert, wo es passiert und welche Mannschaft es begeht.
Nicht jedes Football Regelwerk behandelt jede Strafe exakt gleich. NFL, College Football und internationale Regeln unterscheiden sich in einigen Details. Dieser Beitrag erklärt deshalb die Grundlagen: Welche Arten von Strafen gibt es? Warum fliegt eine Flagge? Was bedeuten 5, 10 oder 15 Yards? Und was passiert, wenn beide Mannschaften ein Foul begehen?
Foul und Penalty
Ein Foul ist der Regelverstoß. Die Penalty ist die daraus resultierende Strafe. Hält etwa ein Offensive Lineman einen Gegenspieler regelwidrig fest, heißt das Foul Holding; die Konsequenz ergibt sich aus dem jeweiligen Regelwerk. Im Alltag werden beide Begriffe oft einfach als „Strafe“ bezeichnet.
Die gelbe Flagge
Beobachtet ein Official ein Foul, wirft er seine gelbe Penalty Flag. Das signalisiert zunächst einen möglichen Regelverstoß. Nach Ende des Spielzugs tauschen sich die Officials bei Bedarf aus. Sie klären, welches Team das Foul begangen hat, wann und wo es geschah, welche Strafe vorgesehen ist, ob sie angenommen wird und ob weitere Fouls vorliegen. Erst dann verkünden sie die endgültige Entscheidung.
Warum die Position der Flagge wichtig ist
Bei manchen Fouls markiert die Flagge möglichst genau den Spot of the Foul, also die Stelle des Regelverstoßes. Diese Position kann für die Strafdurchsetzung maßgeblich sein. Je nach Foul und Spielsituation wird die Strafe von unterschiedlichen Punkten auf dem Feld aus angewendet.
Nicht jede Flagge beendet den Spielzug
Bei einem False Start wird der Spielzug normalerweise sofort abgepfiffen. Bei Holding während eines laufenden Downs kann das Play dagegen zu Ende gespielt werden. So kann ein Touchdown fallen, obwohl bereits eine Flagge liegt. Ob er zählt, entscheidet sich erst nach der Strafdurchsetzung.
Die klassischen Raumstrafen
5 Yards betreffen häufig technische oder administrative Vergehen. 10 Yards kommen unter anderem bei bestimmten Holding und Block Fouls vor. 15 Yards sind typisch für zahlreiche Personal Fouls oder unsportliches Verhalten. Diese Einteilung ist nur eine Orientierung: Die genaue Folge hängt vom jeweiligen Regelwerk ab.
Häufige 5 Yard Fouls
False Start
Vor dem Snap dürfen Offensivspieler keine Bewegung ausführen, die den Beginn des Spielzugs simuliert. Bewegt sich etwa ein Offensive Lineman plötzlich entsprechend, wird das Play normalerweise sofort gestoppt. Aus 3rd & 2 kann so 3rd & 7 werden.
Offside
Ein Verteidiger darf sich beim Snap nicht regelwidrig in oder jenseits der neutralen Zone befinden. Anders als beim False Start kann der Spielzug unter bestimmten Voraussetzungen weiterlaufen. Bei einem solchen Free Play versucht die Offense mitunter einen riskanteren tiefen Pass. Die genaue Behandlung hängt von Situation und Regelwerk ab.
Delay of Game
Die Offense muss den Ball innerhalb der vorgegebenen Play Clock ins Spiel bringen. Läuft sie ab, droht eine Raumstrafe. Auch andere regelwidrige Verzögerungen können als Delay of Game gelten.
Illegal Formation
Beim Snap muss die Offense die vorgeschriebenen Formationsregeln erfüllen. Stehen die Spieler nicht regelkonform, kann eine Illegal Formation vorliegen.
Too Many Players
American Football wird mit elf Spielern pro Mannschaft gespielt. Stehen beim Snap regelwidrig zu viele Spieler auf dem Feld oder beteiligen sie sich entsprechend, kann eine Flagge folgen. Schnelle Wechsel verschiedener Personnel Groups machen dieses Foul besonders wahrscheinlich.
Holding und unerlaubte Blocks
Holding
Blocken gehört zum Football; regelwidriges Festhalten oder Behindern nicht. Häufig wird Offensive Holding gepfiffen, wenn ein Blocker einen Verteidiger festhält, der bereits an ihm vorbeigekommen ist. Eine solche Strafe kann einen erfolgreichen Lauf oder Pass rückgängig machen beziehungsweise die Ausgangslage deutlich verschlechtern.
Illegal Block in the Back
Ein Gegner darf nicht beliebig von hinten geblockt werden. Dieses Foul tritt besonders bei Returns und in offenen Spielsituationen auf.
Pass Interference
Receiver und Verteidiger dürfen um den Ball kämpfen. Sie dürfen den Gegner aber nicht regelwidrig daran hindern, einen Pass zu spielen. Dazu können Festhalten eines Arms, deutliches Behindern vor Ankunft des Balls oder regelwidriges Wegdrücken gehören. Sowohl Offense als auch Defense können Pass Interference begehen; Definition und Strafe unterscheiden sich nach Regelwerk. Die NFL Regelung wird im zweiten Beitrag erläutert.
Personal Fouls und Spielerschutz
Personal Fouls fassen verschiedene schwere oder gefährliche Verstöße zusammen: etwa unnötige Härte, bestimmte gefährliche Hits, regelwidrige Kontakte gegen geschützte Spieler und gefährliche Blocks. Neben einer erheblichen Raumstrafe kann bei besonders schweren Vergehen eine Disqualification, also ein Ausschluss, möglich sein.
Roughing the Passer
Nach einem Pass darf ein Verteidiger den Passer nicht beliebig spät oder auf verbotene Weise treffen. Die genauen Grenzen und Konsequenzen hängen vom Regelwerk ab.
Roughing und Running Into the Kicker
Kicker und Punter sind während der Kickbewegung in bestimmten Situationen geschützt. Regelwidriger Kontakt kann je nach Art und Schwere unterschiedlich bestraft werden.
Face Mask
Regelwidriges Greifen, Ziehen oder Verdrehen der Gesichtsmaske kann Kopf und Nacken gefährden und zählt zu den schwereren Fouls.
Unsportsmanlike Conduct
Auch Verhalten ohne Block oder Tackle kann bestraft werden. Je nach Regelwerk gehören etwa Taunting, beleidigende oder provozierende Aktionen und Eingriffe in den ordnungsgemäßen Spielablauf dazu.
Targeting
Im College und internationalen Football bezeichnet Targeting bestimmte gefährliche Kontakte, insbesondere gegen Kopf und Nacken oder gegen schutzlose Spieler. Definition und Konsequenzen hängen vom Wettbewerb ab. Targeting lässt sich nicht mit einer einzelnen NFL Regel gleichsetzen.
Zusätzliche Folgen einer Strafe
Automatic First Down
Bei bestimmten defensiven Fouls bekommt die Offense zusätzlich ein neues First Down, auch wenn der reine Yardgewinn dafür nicht reichen würde. Ein Foul der Defense bei Third Down kann so eine neue Serie eröffnen.
Loss of Down
Bestimmte offensive Fouls kosten zusätzlich einen Versuch. Aus einem zweiten Down kann nach der Durchsetzung ein dritter Down werden; mitunter folgt sogar ein Ballbesitzwechsel.
Kann eine Mannschaft eine Strafe ablehnen?
In vielen Situationen ja. Erzielt die Offense trotz eines Fouls der Defense einen größeren Raumgewinn, kann sie die Strafe ablehnen und das Ergebnis des Spielzugs behalten. Das gefoulte Team wählt die günstigere zulässige Option.
Mehrere Fouls in einem Spielzug
Begehen beide Teams Fouls, spricht man häufig von Offsetting Fouls. Unter bestimmten Voraussetzungen heben sich die Strafen auf und der Down wird wiederholt. Zwei beliebige Fouls gleichen sich jedoch nicht automatisch aus. Art, Zeitpunkt und Ballbesitz spielen eine Rolle.
Live Ball und Dead Ball Fouls
Ein Live Ball Foul passiert während eines laufenden Downs. Ein Dead Ball Foul geschieht bei ruhendem Ball, etwa wenn ein Spieler nach dem Ende eines Tackles einen Gegner absichtlich umstößt. Der Zeitpunkt beeinflusst die Strafdurchsetzung.
Warum ein Touchdown zurückgenommen werden kann
Erzielt die Offense einen Touchdown, während sie ein entsprechendes Foul begeht, kann die angenommene Strafe den Score aufheben. Solange eine Flagge liegt, ist das Ergebnis des Plays noch nicht endgültig.
Warum die Durchsetzung kompliziert ist
Die Officials berücksichtigen, wer das Foul beging, wann und wo es stattfand, ob der Ball live oder dead war, wo der Spielzug begann und endete, ob ein Automatic First Down oder Loss of Down vorgesehen ist und ob es weitere Fouls gab. Daraus ergeben sich Ballposition und nächster Down.
Die wichtigsten Strafen im Überblick
| Foul | Vereinfacht erklärt |
| False Start | Offensivspieler simuliert vor dem Snap den Beginn des Spielzugs |
| Offside | Spieler ist beim Snap regelwidrig in oder jenseits der neutralen Zone |
| Delay of Game | Spiel wird regelwidrig verzögert |
| Illegal Formation | Formation beim Snap entspricht nicht den Regeln |
| Holding | Gegenspieler wird regelwidrig festgehalten oder behindert |
| Illegal Block in the Back | Gegner wird regelwidrig von hinten geblockt |
| Pass Interference | Gegner wird regelwidrig beim Versuch behindert, einen Pass zu spielen |
| Face Mask | Regelwidriger Griff oder Zug an der Gesichtsmaske |
| Roughing the Passer | Regelwidriger Kontakt gegen den Passer |
| Roughing oder Running Into the Kicker | Regelwidriger Kontakt gegen Kicker oder Punter |
| Personal Foul | Schwerwiegendes oder gefährliches regelwidriges Verhalten |
| Unsportsmanlike Conduct | Unsportliches Verhalten |
| Targeting | Bestimmte gefährliche Kontakte nach entsprechendem Regelwerk |
Nicht jede Liga bestraft ein Foul gleich
American Football hat kein weltweit identisches Regelwerk. Viele Fouls gibt es in verschiedenen Wettbewerben, doch Definition und Durchsetzung können sich unterscheiden. Das betrifft unter anderem Pass Interference, Holding, Roughing the Passer, Targeting, Automatic First Down, Loss of Down, Spot Fouls und Ausschlüsse. Vor einer konkreten Yardangabe muss deshalb klar sein, nach welchem Regelwerk gespielt wird.
Fazit
Die Flagge markiert zunächst einen möglichen Verstoß. Erst die Prüfung von Foul, Zeitpunkt, Ort und Regelwerk ergibt die Konsequenz. Manche Fouls kosten Yards, andere zusätzlich ein First Down oder einen Versuch; schwere Fouls können zum Ausschluss führen. Wer die Grundlagen kennt, versteht auch, warum ein einziges Foul ein Spiel verändern kann.
-> Besonderheiten bei den Strafen in der NFL
Wer Fouls beobachtet und Entscheidungen verkündet, erklärt der Beitrag über Schiedsrichter. Wie sich Raumstrafen auf Versuch und Entfernung auswirken, zeigt Down and Distance.
