Illustration: länglicher American-Football-Ball mit weißer Schnürung vor Londoner Stadien; London lebt Football, Teil 5, 2013–2021.

Ein Spiel im Jahr war erst der Anfang. Ab 2013 wurde London zum wiederkehrenden Treffpunkt einer europäischen Football-Gemeinschaft. Die Jaguars kamen immer wieder, weitere Stadien öffneten ihre Tore, aus einem Herbsttermin wurden mehrere Sonntage. Die NFL in Europa bekam einen neuen Rhythmus – bis 2020 plötzlich alles stillstand.

2013: London bekommt mehr Football

Nach sechs Jahren mit jeweils einer Partie verdoppelte die NFL ihr Londoner Angebot 2013 auf zwei Spiele. Minnesota traf auf Pittsburgh, Jacksonville auf San Francisco. Für die Jaguars begann damit die im Vorjahr angekündigte Wembley-Vereinbarung. London war nun gleichzeitig Bühne für wechselnde Gäste und regelmäßiger Anlaufpunkt eines bestimmten Teams.

Das änderte die Perspektive. Wer zum ersten Mal ins Stadion kam, konnte einen außergewöhnlichen Tag erleben. Wer wiederkam, konnte Geschichten weiterverfolgen: die Entwicklung eines Quarterbacks, die nächste Chance nach einer Niederlage, das Wiedersehen mit anderen Fans. Genau solche Wiederholungen machen aus einem Ereignis ein Ritual.

Für Jacksonville verlief der sportliche Einstieg hart. Gegen San Francisco setzte es 2013 ein 10:42, ein Jahr später gewann Dallas 31:17. Erst 2015 gelang mit dem 34:31 gegen Buffalo der erste London-Sieg. Die Verbindung entstand also nicht aus einer makellosen Erfolgsgeschichte. Sie wuchs auch durch das gemeinsame Warten auf bessere Tage.

Die Jaguars: Wiederkehr schafft Nähe

Im Oktober 2015 wurde die Wembley-Vereinbarung bis 2020 verlängert. Die Jaguars investierten damit weiter in eine Präsenz, die über ein einzelnes Auswärtserlebnis hinausging. Schon die ursprüngliche Entscheidung hatte internationale Bekanntheit und neue Fans zum Ziel gehabt. Wiederkehrende Heimspiele im Ausland wurden zu einem festen Bestandteil ihres Profils.

Dennoch lohnt die genaue Unterscheidung: Jacksonville blieb eine amerikanische Franchise. London bekam keine eigene NFL-Mannschaft mit vollständigem Heimspielplan. Die besondere Rolle der Jaguars bestand darin, dass die Fans sie häufiger und verlässlicher vor Ort sehen konnten als andere Teams. Nähe braucht nicht zwingend einen Umzug, aber sie braucht Kontinuität.

Wembley, Twickenham, Tottenham: Drei Bühnen, ein Aufbruch

Wembley blieb das große Symbol. Unter seinem Bogen hatte 2007 alles begonnen, und hier sammelte die International Series ihre ersten Jahre. Doch das Wachstum ließ sich bald auch auf der Londoner Landkarte ablesen. 2016 kam Twickenham hinzu: Am 23. Oktober gewannen die Giants dort 17:10 gegen die Los Angeles Rams. 2017 folgten zwei weitere NFL-Partien im traditionsreichen Rugby-Stadion.

Damit hatte London gezeigt, dass NFL-Football nicht an einer einzigen Arena hing. Der nächste Schritt ging noch weiter. Das neue Tottenham Hotspur Stadium wurde für beide Sportarten geplant: Der natürliche Fußballrasen lässt sich in drei Teilen zurückziehen; darunter liegt die eigene Spielfläche für American Football. Auch die Infrastruktur für die großen NFL-Kader gehört zum Konzept. Hier sollte Football nicht bloß gelegentlich hineinpassen. Er war mitgedacht.

Das Tottenham Hotspur Stadium im Februar 2019, noch vor seiner NFL-Premiere. Foto: Hzh, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Verkleinerte Darstellung, kein Zuschnitt.

Am 6. Oktober 2019 gewann Oakland die erste NFL-Partie in Tottenham mit 24:21 gegen Chicago. 60.463 Zuschauer erlebten einen dramatischen Abend. Eine Woche später folgten Carolina und Tampa Bay. Die Liga hatte in London nun eine Spielstätte, deren bauliche Idee ihre langfristigen Ambitionen sichtbar machte.

Wachstum mit Pausen und Umwegen

Die Entwicklung verlief nicht jedes Jahr einfach nach oben. Auf zwei London-Spiele 2013 folgten jeweils drei in den Jahren 2014, 2015 und 2016. 2017 waren es vier, 2018 drei und 2019 wieder vier. Bis einschließlich 2019 summierte sich die Londoner Geschichte auf 28 reguläre Saisonspiele.

London wächst – und hält inne

2013 ▰▰ 2 · 2014 ▰▰▰ 3 · 2015 ▰▰▰ 3

2016 ▰▰▰ 3 · 2017 ▰▰▰▰ 4 · 2018 ▰▰▰ 3

2019 ▰▰▰▰ 4 · 2020 — 0 · 2021 ▰▰ 2

Eigene Datengrafik nach den internationalen Ergebnislisten im NFL Record & Fact Book 2022. Nur reguläre Saisonspiele in London.

Diese Zahlen erzählen von Wachstum, aber noch mehr erzählen die Spielstätten. Wembley stand für den Durchbruch, Twickenham für die Erweiterung und Tottenham für eine dauerhafte bauliche Verankerung. Die Frage lautete längst nicht mehr nur, ob ein NFL-Spiel in Europa funktionieren konnte. London hatte es wiederholt gezeigt.

2020: Ein Herbst ohne London Games

Die Pandemie unterbrach diesen Rhythmus. 2020 wurden die geplanten internationalen NFL-Partien in die USA verlegt. In London gab es kein reguläres Saisonspiel. Damit riss eine seit 2007 bestehende Folge von Football-Herbsttagen ab.

Für die Geschichte der NFL in Europa ist diese Leerstelle wichtig. Eine wachsende internationale Veranstaltungsserie blieb abhängig von Reisemöglichkeiten und öffentlicher Gesundheit. Was längst selbstverständlich gewirkt hatte, war es plötzlich nicht mehr. Der nächste Stadionbesuch ließ sich nicht einfach als Fortsetzung des vergangenen Jahres planen.

2021: Der Lärm kommt zurück

Im Oktober 2021 kehrte die NFL mit zwei Spielen nach Tottenham zurück. Atlanta besiegte die Jets 27:20. Eine Woche später gewannen die Jaguars gegen Miami 23:20; ein spätes Field Goal entschied die Partie. Gerade Jacksonville, dessen Londoner Geschichte so viele Niederlagen gekannt hatte, lieferte damit einen passenden Moment für die Rückkehr.

Die Tribünen waren wieder Teil der Erzählung. London hatte die NFL vom jährlichen Gastspiel zu einem festen Herbsttermin getragen und die Unterbrechung überstanden. Nun wartete der nächste große Schritt jenseits des Ärmelkanals. In Deutschland würden Fans bald erleben, wie sich ein regulärer NFL-Sonntag im eigenen Land anfühlt.

Quellen und Bildnachweise

Ergebnisse, Spielstätten und jährliche Zahl der Partien: NFL Record & Fact Book 2022. Jaguars-Vereinbarung und erste Siege: Jaguars, Dezember 2016. Stadionpremiere und Konstruktion: Tottenham, 6. Oktober 2019. Pandemie: NFL zur Absage 2020. Rückkehr: NFL Kickoff Guide 2021.

Beitragsbild: KI-generierte redaktionelle Illustration, kein historisches Foto. Datengrafik: Football-Nation.de, zur Weiterverwendung unter CC BY 4.0 mit Namensnennung. Recherche: 25. Oktober 2026.

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