Illustration: Football im Regen vor dem Wembley-Bogen; Ein neuer Kickoff, Teil 4, 2007–2012.

Der nächste Frühling hatte keinen Spielplan mehr. So endet das dritte Kapitel unserer Serie: mit einer Lücke, wo für viele Fans längst ein Stück Heimat gewesen war. Doch während in Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg die Erinnerungen blieben, ging in London ein anderes Flutlicht an. Am 28. Oktober 2007 standen sich in Wembley die New York Giants und die Miami Dolphins gegenüber. Europa bekam wieder großen Football. Nur fühlte er sich nun anders an.

Ein Abschied, zwei verschiedene Geschichten

Wer Galaxy, Fire oder die Sea Devils begleitet hatte, verlor 2007 mehr als eine Veranstaltungsreihe. Verloren gingen regelmäßige Heimspiele, vertraute Gegner und das nächste Wiedersehen im Frühjahr. Die Einstellung der NFL Europa lässt sich deshalb nicht mit dem Hinweis wegwischen, dass wenige Monate später die Hauptliga nach London kam. Eine europäische Mannschaft zu unterstützen und einmal im Jahr amerikanische Stars zu sehen, waren zwei verschiedene Erfahrungen.

Genau darin liegt der Wendepunkt dieser Geschichte. Die International Series war keine umbenannte NFL Europa. Die Entwicklungsliga endete; bei den neuen Spielen traten bestehende NFL-Franchises in ihrer regulären Saison an. Siege und Niederlagen zählten für denselben Wettbewerb wie in New York, Miami oder Chicago. Europa erhielt einen Platz auf dem Spielplan der Hauptliga.

Wembley 2007: Regen, Rasen und ein historischer Lauf

Die Kulisse war gewaltig: 81.176 Zuschauer sahen am 28. Oktober das erste reguläre NFL-Saisonspiel außerhalb Nordamerikas. Diese Formulierung ist entscheidend. Bereits 2005 hatten Arizona und San Francisco in Mexiko-Stadt ein reguläres Saisonspiel bestritten. London war nicht der erste Schritt über die US-Grenze, aber der erste dieser Art über den Atlantik.

Und was für ein eigenwilliger Auftakt! Statt einer makellosen Offensivshow gab es Regen, schwierigen Untergrund und harte Arbeit um jedes Yard. Eli Manning brachte nur acht seiner 22 Pässe an und kam auf 59 Passing Yards. Das große Bild des Tages lieferte ausgerechnet sein Lauf: Über zehn Yards fand der Quarterback im zweiten Viertel den Weg in die Endzone. Brandon Jacobs steuerte 131 Rushing Yards bei. New York gewann 13:10.

Miami blieb bis zum Schluss in Reichweite. Cleo Lemon fand Ted Ginn Jr. zum späten Touchdown, doch den anschließenden Onside Kick sicherten die Giants. Kein Punktefeuerwerk, kein Drehbuch für eine Werbeveranstaltung. Gerade das machte diesen Nachmittag so besonders: Wembley sah ein echtes NFL-Spiel, mit allen Widerständen, die ein echter Football-Sonntag bereithalten kann.

Ein zusätzlicher Glanz kam erst später hinzu. Die Giants gewannen am Ende dieser Saison den Super Bowl. Der regennasse Londoner Sieg war damit eine Station auf dem Weg eines späteren Champions – ohne dass die Menschen auf den Rängen an diesem Oktoberabend schon wissen konnten, wohin diese Reise führen würde.

Aus einer Premiere wird ein Wiedersehen

Eine ausverkaufte Premiere ist ein Signal. Eine wiederkehrende Veranstaltung verlangt mehr: Teams müssen reisen, Stadien umgerüstet und Spielpläne organisiert werden. Vor allem müssen Menschen zurückkommen wollen. Zwischen 2007 und 2012 blieb es in London bei einem regulären NFL-Spiel pro Saison. Das war überschaubar, schuf aber einen verlässlichen Rhythmus.

2008 zeigte Wembley eine ganz andere Seite des Sports: New Orleans bezwang die damaligen San Diego Chargers 37:32. Im Jahr darauf gewann New England gegen Tampa Bay, 2010 folgte San Francisco gegen Denver. Chicago und erneut New England vervollständigten die Siegerliste dieser ersten sechs London-Jahre. Unterschiedliche Mannschaften, unterschiedliche Spielverläufe – derselbe Ort, an dem aus Neugier langsam Tradition wurde.

Blick ins Wembley-Stadion vor dem NFL-Spiel Denver Broncos gegen San Francisco 49ers am 31. Oktober 2010.
Wembley vor Broncos gegen 49ers, 31. Oktober 2010. Foto: Thomas (Orbisnonsuficit), Wikimedia Commons, CC BY 2.0. Unverändert eingebunden.

2012: Jacksonville verspricht, wiederzukommen

Der nächste Entwicklungsschritt wurde am 21. August 2012 angekündigt. Die Jacksonville Jaguars verpflichteten sich zu jeweils einem Heimspiel in Wembley in den Spielzeiten 2013 bis 2016. Aus wechselnden Gästen sollte damit auch eine wiederkehrende Beziehung entstehen. Ein Team gab den Londoner Fans die Aussicht, es nicht nur einmal zu sehen.

Für Jacksonville war das zugleich ein wirtschaftliches und sportkulturelles Projekt: eine größere internationale Anhängerschaft, mehr Sichtbarkeit und neue Verbindungen zwischen zwei Städten. Die Vereinbarung machte aus den Jaguars keine Londoner Franchise. Ihr Zuhause blieb Jacksonville. Aber sie gab der International Series ein Gesicht, das in den kommenden Jahren immer wiederkehren würde.

Die Erinnerung fährt mit

2007 bis 2012 waren die Jahre des tastenden Neubeginns. Für manche Fans war London die Erfüllung eines lange gehegten Traums. Für andere blieb die Freude mit dem Verlust der eigenen Europaliga verbunden. Beides durfte nebeneinanderstehen.

Der leere Frühjahrsspielplan ließ sich nicht nachträglich füllen. Doch im Herbst entstand ein neues Ritual: die Reise nach Wembley, das Wiedersehen mit Football-Fans aus verschiedenen Ländern, das Warten auf den Kickoff. Noch war es ein Termin im Jahr. Bald würde London zeigen, wie viel mehr daraus werden konnte.

Quellen und Bildnachweis

Spielverlauf 2007: offizielles NFL Gamebook und Dolphins-Rückblick. Internationale Ergebnisse: NFL Record & Fact Book 2020. Jaguars-Vereinbarung: Mitteilung vom 21. August 2012. Strategiewechsel: NFL-Mitteilung zur Einstellung der NFL Europa.

Beitragsbild: KI-generierte redaktionelle Illustration für Football-Nation.de; kein historisches Foto. Keine Liga- oder Teamlogos. Recherche: 25. Oktober 2026.

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